Göttingen den,

Achtung - die neuen Basisinformationsblätter kommen

Achtung – die neuen Basisinformationsblätter kommen!

Im Rahmen der europäischen PRIIPs-Verordnung müssen Anbieter von sogenannten verpackten Anlageprodukten für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukten (PRIIPs) in allen europäischen Mitgliedsstaaten ab dem 1. Januar 2018 standardisierte Informationsblätter - sogenannte Basisinformationsblätter - veröffentlichen.

Mit dieser weiteren Regulierung sollen vor allem der Anlegerschutz gestärkt und das Vertrauen der Anleger wiedergewonnen werden.

Was bedeutet eigentlich PRIIPs?
Hinter der Abkürzung verbirgt sich “Packaged Retail and Insurance-based Investment Products” – also Kapitalanlagen in verpackter Form, die einem Anlagerisiko unterliegen. Als „verpackt“ gelten alle Anlageprodukte und -verträge, bei denen das Geld der Kunden nicht direkt sondern indirekt am Kapitalmarkt angelegt oder deren Rückzahlungsanspruch auf andere Weise an die Wertentwicklung bestimmter Papiere oder Referenzwerte gekoppelt ist.

Welche Produkte sind PRIIPs?
Von der Verordnung sind u.a. folgende Produkte betroffen:

  • Versicherungsprodukte, die eine Kapitalanlage beinhalten (z.B. kapitalbildende und fondsgebundene Lebensversicherungen)
  • Offene und geschlossene Investmentfonds
  • Derivate und strukturierte Finanzprodukte

Welche Produkte fallen nicht unter die Anwendung der PRIIP-Verordnung?
Von der Verordnung sind u.a. folgende Produkte ausgenommen:

  • Versicherungsverträge ohne Anlageelement, z.B. Risikolebensversicherungen, reine Berufsunfähigkeitsversicherungen und Nichtlebensversicherungsprodukte (also beispielsweise Schaden- und Unfallversicherungen)
  • betriebliche Altersversorgung
  • national anerkannte private Altersvorsorgeprodukte d.h. Basis- und Riesterrenten

Wozu dienen die Basisinformationsblätter und was ist zu beachten?
Das jeweilige Basisinformationsblatt muss der Berater dem Kunden rechtzeitig vor Vertragsunterzeichnung übergeben. Merkmale und vor allem Risiken des Produkts sollen dadurch für den Kunden noch verständlicher gemacht werden. Zudem soll der Kunde mit dem Basisinformationsblatt, dessen Aufbau bei allen betroffenen Produkten gleich ist, die Produkte besser vergleichen können.

Wo sind die Basisinformationsblätter zu finden?
Die Produktgeber bzw. Hersteller sind verpflichtet ab dem 1. Januar 2018 die Basisinformationsblätter auf ihren Internetseiten bereitzustellen. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass diese auch innerhalb der jeweiligen Angebotssoftware hinterlegt sind.

Welche Inhalte enthält ein Basisinformationsblatt?
Inhalte und Gestaltung des Basisinformationsblattes sind durch die PRIIP-Verordnung festgelegt. Werbung ist nicht zulässig.

Neben einer Produktbeschreibung stechen vor allem folgende Inhalte heraus:

Angabe der Kleinanleger-Zielgruppe
Produktgeber müssen an dieser Stelle angeben, für welchen Personenkreis das Anlageprodukt geeignet bzw. nicht geeignet ist.

Angabe eines Risikoindikators
Der Gesamtrisikoindikator gibt das mit dem Produkt verbundene Risiko im Vergleich zu anderen Produkten an. Er zeigt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass man mit dem Produkt Geld verlieren kann.

Angabe der Kosten
Ebenfalls werden die Höhe und Zusammensetzung aller Kosten (Produkt und Anlageoption), die im Zusammenhang mit dem Produkt entstehen können, dargestellt und wie sich diese auf die Rendite auswirken. Die Kosten werden sowohl in Prozent als auch absolut angegeben und basieren auf einem Simulationsmodell für die Marktentwicklung. Über zusätzlich anfallende Honorarkosten müssen die Verbraucher durch die Berater informiert werden.

Inhalte können Sie unserem Muster-Basisinformationsblatt entnehmen.

Sind Basisinformationsblätter für jeden Verbraucher individuell?
Nein, Basisinformationsblätter werden für - in der PRIIP-Verordnung definierte - Musterkunden erstellt.

Was sind MOPs?
MOPs sind sogenannte Multi-Options-Produkte, d.h. solche Produkte, bei denen der Verbraucher zwischen verschiedenen Anlageoptionen wählen kann. Dazu zählt zum Beispiel eine Fondsversicherung mit mehreren Investmentfonds.

Welche Besonderheiten sind bei Basisinformationsblättern zu MOPs zu beachten?
Bei MOPs können sogenannte generische Basisinformationsblätter verwendet werden. Diese beinhalten allgemeine Aussagen zum Produkt, unabhängig von den gewählten Anlageoptionen. Die Angaben beim Risikoindikator und bei Kosten sind als Bandbreite zu verstehen, die sich aus den zur Verfügung stehenden Anlageoptionen ergibt. Ergänzend dazu werden Spezifische Informationen für jede verfügbare Anlageoption erstellt. Bis zum 01.01.2020 können Versicherungsunternehmen für Investmentfonds die sogenannten KIDs (Wesentliche Anlegerinformationen) als Spezifische Information verwenden

Warum müssen Sie das Basisinformationsblatt in Ihrer Beratung berücksichtigen?
Zum einen bietet das Basisinformationsblatt alle relevanten Informationen zum jeweiligen Produkt und unterstützt im Rahmen eines Produktvergleichs. Wie beschrieben schreibt die Verordnung vor, dass das Basisinformationsblatt vor Vertragsunterzeichnung auszuhändigen ist.

Zum anderen bietet es die Grundlage für Ihre Geeignetheitsprüfung und deutet in Richtung IDD-Gesetzgebung. Nach IDD müssen Sie nämlich bei komplexen Versicherungsanlageprodukten eine Prüfung der Angemessenheit und Geeignetheit vornehmen.

Zurück